In diesem Beitrag werden wir zukünftig einige Erläuterungen zu hündischem Verhalten (bzw. zum Verhalten von Säugetieren) veröffentlichen, die unseren Kundinnen und Kunden helfen sollen, zu verstehen, warum ihr Hund wie reagiert und wie sie sich und dem Hund oder der Hündin das Leben erleichtern können. Es gibt einige grundsätzliche Dinge, die auf alle Tierarten zutreffen (auch Menschen) und die bei Hunden rassespezifisch und geschlechterbedingt mehr oder weniger stark auftreten. Verhalten ist immer LOGISCH. Verhalten ist immer eine logische Konsequenz von biologisch angelegtem Verhalten und Sozialisation, so wie den Möglichkeiten, die sich ergeben unter den Rahmenbedingungen in denen ein Lebewesen lebt.

Leinenaggression am Beispiel eines Border Collie Rüden.

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Leinenaggressionen können sich abhängig anderer Faktoren mit dem STURMFREI® in kürzester Zeit auflösen.

Leinenaggressionen? Warum möchte mein Hund andere fressen?

Es gibt viele Gründe warum ein Hund an der Leine aggressiv ist. Einer davon ist, dass Hunde durch den Zug am Hals (Halsband) oder durch den Zug nach hinten (Brustgeschirr) „Ohnmacht“ oder „Schmerz“ verknüpfen. Frau bedenke jedoch auch; Hunde werden grundsätzlich NICHT mit Leine geboren. Ein Hund würde eine Leine nicht tolerieren, würde er nicht daran gewöhnt werden während ihrer/seiner Prägephase. Es ist daher logisch, dass es in den meisten Fällen zu Problemen kommt, denn mit der Leine versuchen wir dem Hund etwas zu vermitteln, wofür er biologisch eigentlich nicht ausgelegt ist und was für ihn in der Natur sehr gefährlich wäre (sich nicht frei bewegen zu können, die Abstände zu anderen nicht bestimmen zu können, nicht fliehen zu können). Läuft der Hund viel an der Leine, dann kommt es in der Regel zu vielen Problemen, läuft er wenig an der Leine (bzw. hat viel Möglichkeiten ohne Leine sich auszuleben), dann toleriert er das angebunden sein mehr oder weniger entspannt.

Die instinktive Reaktion eines Hundes auf „am Hals rucken“ ist die Flucht nach vorne. Das kann zu Aggressionen führen. In der klassischen Hundeerziehung wird empfohlen, so lange am Hund zu rucken, bis die Bedrohung durch das Rucken so schlimm für den hündischen Organismus ist, dass er in ein Vermeidungsverhalten geht.

Das heißt, dass der Organismus des Hundes statt mit Flucht nach vorne und Aggression mit Rückzug reagiert. Kommt ein Hund in die zweite Phase, dann heißt das, dass die Bedrohung durch den Zug am Halsband vom Hund bedrohlicher empfunden wird, als sein Drang oder die Hoffnung da irgendwann rauszukommen. 

Während des Zuges am Hals nimmt ein Hund auch andere Dinge wahr: Z.B. wo er hinblickt wenn geruckt wird, oder was er riecht oder die Umgebung (anderer Hund). Das Gehirn (auch von uns Menschen) verknüpft verschiedene Sinneserfahrungen miteinander. Ein Hund, der besonders viel auf einer roten Decke, die nach Hundepups gerochen hat, gestreichelt wurde, wird, wenn er eine rote Decke sieht, die ein ähnliches Hundepups Aroma hat, sich freuen und erwarten, dass ein Streicheln erfolgt, wenn er sich darauf legt.

Der Hund auf dem Video ist mit mindestens drei Triggern konfrontiert:

  1. Er erhält aus seiner Sicht einen Ruck am Hals, wenn er aus seiner Sicht völlig natürlich sehen will, wer da seinen Weg kreuzt und wird den Ruck nicht los, egal wie sehr er sich wendet und wehrt. Das erhöht seine Anspannung. Er lernt, dass der Ruck mit anderen Hunden verknüpft ist, aber auch mit subtileren Sachen, wie z.B. die verständliche Anspannung der Halterin, die er aus seiner Sicht „beschützen“ will. Das wiederum führt beim Hund dazu, davon auszugehen, dass irgendeine Gefahr droht und das führt zu einer Spirale: Hund will zum Hund, um ihn abzuchecken, Hund meint das Auftauchen des Hundes führt zum Rucken an seinem Hals, Hund merkt, dass seine Halterin „nervös“ wird und deutet das so, dass das an dem Auslöser „anderer Hund“ liegt. Und schon sind Halterin und Hund in einer Endlosschleife gefangen.
  2. Ein weiterer, den meisten Hundetrainern unbekannter Aspekt ist, dass Rüden Weibchen (insbesondere mit Kindern) territorial betrachten. Romantisch ausgedrückt heißt das: Männchen „beschützen“ Weibchen und ihre Nachkommen. In dem Fall wird also das Verhalten noch verstärkt, weil ein Weibchen und ein Kind dabei sind. Das ist biologisch so und Frauen wird häufig gesagt, sie seien nicht „konsequent“ genug. Dabei ist ein massgeblicher Aspekt des Verhaltens von Säugetieren davon bestimmt, um welches Geschlecht es sich handelt und welches Geschlecht gerade mit welchem Geschlecht zutun hat. Männchen stehen hierarchisch zueinander, Männchen stehen zu Weibchen nicht hierarchisch, sondern eher „balzend“. D.h. dass Männchen „orientiert“ sich am Weibchen, möchte sie für sich haben und möchte sie beeindrucken. Zwischen Rüden und Männer kommt es daher weniger oft zu Problemen, ebenso wie zwischen Männern und Hündinnen und Frauen und ihren Hündinnen. Der Aspekt, dass der Hund männlich ist und die Halterin weiblich, ist sehr relevant und impliziert vom Rüden dem Weibchen gegenüber ein anderes Verhalten.
  3. Ein dritter Aspekt ist, dass andere Hunde, die einen Hund, der ihres Erachtens sich „komplett bescheuert“ verhält, also nach vorne springt, den Hals hochreisst, zur Seite springt und bellt, eben als „komplett bescheuert“ kategorisieren. Das kann dazu führen, dass ein anderen Hund auch aggressiv wird und dann genauso „komplett bescheuert“ für den Hund der seiner Meinung nach „komplett bescheuert“ ist, wirkt und es daraufhin aus Sicht beider Hunde und ihrer Wahrnehmung der Dinge KOMPLETT LOGISCH zu einem Kampf kommt. Denn beide wollen den anderen korrigieren und sehen sein „irrationales“ Verhalten als Bedrohung, das sie nicht einordnen können. Es ist erstaunlich, dass viele Hunde komplett gelassen reagieren auf Hunde, die an der Leine aggressiv reagieren. Das hängt dann auch wiederum von der Anspannung auf der anderen Seite der Leine ab, die der Hund IMMER im Blick hat.

Punkt 1 lässt sich mit dem STURMFREI® lösen. Kein Rucken am Hals, kein „Auslöser anderer Hund“ aus Sicht des Hundes, kein Fluchtversuch, keine steigende Aggression, mehr Möglichkeiten den Vorderbereich zu bewegen und mehr zu erfassen.

Punkt 2 lässt sich damit lösen, dass verstanden wird, was es für den Rüden hier heisst, dass ein anderer Rüde kommt: „Jemand könnte mir mein Weibchen nehmen, jemand könnte mein Weibchen angreifen, jemand könnte meinen Platz einnehmen 😱😱😱“.

Ich kann hier nicht umfassend darauf eingehen, denn auch Faktoren, welche Menschenmännchen mit dem Rüden leben wirken darauf ein. Und die Beziehungen zwischen diesem und dem Menschenweibchen. Was jedoch sehr relevant ist und durch das STURMFREI® auch wieder möglich wird: Dem Rüden sollte möglichst die Möglichkeit gegeben werden, im „Hundeverkehr“ zu sehen „wer da kommt“. D.h. er sollte andere Rüden, die ihren und seinen Weg kreuzen kurz abschnüffeln dürfen. Er riecht dann, ob der Hund bedrohlich sein könnte und zwischen den Rüden gibt es eine kurze, für uns kaum sichtbare Kommunikation á la „Wer bistn du?“ „Bin der Rudi“ „Willste was?“ „Nee, hab schon ein Frauchen“ „okay, keins auf die Fresse?“ „Nö, warum?“.

Diese Dialoge können natürlich auch anders ablaufen, aber in der Regel wird ein Rüde mit ganz gutem Selbstwert und guter Sozialisierung (viel Kontakt mit anderen Hunden in der Kindheit und Jugend) gelassen reagieren. Insbesondere am STURMFREI®, wo es keine Provokation gibt durch Zug nach hinten oder Rucken am Hals falls es doch im „Dialog“ kurz zur Spannung kommt. Und sogar wenn er nicht gelassen reagiert, kann er mit dem STURMFREI® sicher „weggedreht“ werden. Da es dann nicht zu der üblichen Pöbelei kommt, kann so mit der Zeit die Erregung im Hund sinken und irgendwann interessieren ihn andere Rüden vielleicht gar nicht mehr. Das hängt von weiteren Faktoren ab, wie z.B. auch davon, ob der Hund sich anderweitig „austoben“ kann, also rassespezifische Triebe ausleben kann oder eben männliches Verhalten in anderen Kontexten (z.B. Zuhause den Mann anschnüffeln dürfen, der gerade durch die Tür zu „seinem“ Weibchen will). Das ist sehr individuell und kann nicht generalisiert werden, weil nicht nur akute Lebensumstände auf den Hund wirken, sondern auch Erfahrungen und dabei entstandene Verknüpfungen seit der Geburt (oder gar im Mutterleib). Auch das ist etwas, das auch auf uns Menschen zutrifft.

Darf der Rüde, insbesondere wenn er mit Weibchen und Kind unterwegs ist, NICHT sehen WER DA KOMMT, kann das dazu führen, dass er sich ohnmächtig fühlt und aggressiv wird. Das ist auch z.B. abhängig vom Alter und Testosteron, wie auch bei uns Menschen. Auch verhalten sich Rüden anders, wenn ein Menschenmann dabei ist.

Immer den Mann auch etwas Mann sein lassen und nur dann reagieren, wenn er zu ungestüm wird. 

Der Rüde im Video läuft durch die Führung von vorne und den Wegfall des Zug am Hals deutlich entspannter an anderen Hunden vorbei. Das liegt auch daran, dass dieser Rüde noch nicht generalisiert verknüpft hat: Anderer Hund = Zug am Hals. Heisst: Er reagierte vorher an Halsband und Leine aggressiv, aber ohne Leine und Halsband NICHT generell aggressiv. Er kann durch das STURMFREI® auch die Hunde mehr „abchecken“, da er seinen Vorderbereich (Kopf, Hals) freier und ohne Druck wenden kann.

Bei Hunden, an denen so lange geruckt worden ist, dass sie in die Vermeidung gehen (nicht mehr ziehen) ist in der Regel auch eine soziale Vermeidung zu sehen: Sie haben keine Freude mehr an der Interaktion mit anderen Hunden und sind auch nicht mehr aggressiv (und nicht freudig). Das Prinzip lässt sich auch auf uns Menschen übertragen.

Hunde die noch in der Phase des „Widerstand gegen den Zug“ sind, können leicht wieder entspannt werden, wenn nicht noch andere Faktoren (z.B. Trauma durch Beissereien) Auslöser für die Reaktionen sind. Wie schnell, ist abhängig davon, ob er NUR am Halsband und Zug auf der Leine ausflippt, oder bereits grundsätzlich wenn er einen anderen Hund bzw. Rüden sieht (auch ohne Leine). Ist der Hund bereits so aggressiv, dass er auch nicht mehr im Freilauf mit anderen Hunden interagieren kann, dann wird das Training länger dauern und er wird langsam „beruhigt“ werden müssen durch die wiederholte Erfahrung, dass kein Rucken und damit auch keine Gefahr mehr stattfindet, die seine angelernte aggressive Reaktion noch verstärkt hat. Das Gehirn hat eine gewisse Erwartungshaltung. Bei einem Hund, der immer am Halsband lief und sehr aggressiv geworden ist, sieht das so aus, dass er bereits sich innerlich darauf vorbereitet bei Anblick eines anderen Hundes, dass ihn gleich ein Ruck widerfährt. Das heisst, dass sein Organismus die Reaktion auf diesen Ruck schon vorbereitet. Das kann so stark konditioniert sein, dass das automatisch abläuft, auch wenn der Ruck gar nicht stattfindet und dann braucht es eine Weile, bis der Hund sich umgewöhnt.

Das Verhalten ist biologisch bedingt stärker bei Männchen untereinander ausgeprägt (wenn sie keine gezüchteten Schutzhundrassen sind, da ist es auch zwischen Weibchen oft der Fall). 

Mit dem STURMFREI®️ kann der Hund auch sicherer gehalten werden und das überträgt sich auch auf sein Verhalten. Je ängstlicher die Leinenführerin, desto mehr wird das Männchen zu Dominanz neigen. Bei Herdenschutzhunden ist das stärker ausgeprägt als bei Labradoren, jedoch auch weniger als bei Dobermännern. Männliche Border Collies sind per se nicht besonders auf Konkurrenz aus. Wenn sie genug Auslauf haben und die „Herde zusammenhalten“ Möglichkeit haben, dann sind sie sehr sozial. Es kann sein, dass durch das STURMFREI®️ auch das Gegenteil eintritt mit der Zeit: Statt Aggressionen vermehrtes Interesse an Tobe Interaktion mit dem ehemaligen Erzfeind. 

Copyright: Der Hundegefährte, Nina Bednarz – Kommunikationswissenschaftlerin und Sozialisationsexpertin.

Das STURMFREI®-Konzept

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